20 Jahre Pro Asyl - 20 Jahre Flüchtlingsschutz

20 Jahre PRO ASYL, das sind 20 Jahre Einsatz für Flüchtlinge, Menschenrechte, Demokratie und Integration. Das Engagement für verfolgte Menschen und eine offene Gesellschaft bleibt der Mittelpunkt unserer Arbeit. Heute ist die Arbeit von PRO ASYL und seinen Mitstreitern wichtiger als je zuvor.

Während PRO ASYL vor zwei Jahrzehnten ist angetreten ist, das bundesdeutsche Asylrecht zu erhalten, steht heute der Flüchtlingsschutz in ganz Europa zur Disposition. Mit der Tagung Kein Ort. Nirgends, die vom 8. bis 10. September 2006 in der Evangelischen Akademie Tutzing stattfand, spürten Experten aus unterschiedlichen Ländern Europas die traurige Realität für Flüchtlinge im 21. Jahrhundert auf und suchten Antworten auf die Frage, wie Flüchtlinge grenzübergreifend geschützt werden können. [Tagungsprogramm und Referate zum Download]

Erstmals wurde während der Tagung der Menschenrechtspreis der Stiftung PRO ASYL, die PRO-ASYL-Hand, vergeben. Er ging an den Kapitän der Cap Anamur, Stefan Schmidt und an Ferenc Köszeg, der sich seit vielen Jahren in Ungarn für Bürger- und Menschenrechte einsetzt.

In der Brotfabrik Frankfurt wurde am 29. und 30 September 2006 das Thema Bleiberecht anhand des Stücks „Hier geblieben!“ vom Berliner Grips Theater anschaulich gemacht. Nach dem Spielfilm "Let's break - Adil geht" zum Thema Abschiebung schilderte die Regisseurin Esther Gronenborn unter welch schwierigen Voraussetzungen die Protagonisten an dem Film mitwirken konnten. Bei der Vorstellung des Buches „Vom Fliehen und Ankommen“ war das Publikum zutiefst ergriffen von den Erzählungen der Flüchtlinge. Sei es die Flucht in den dreißiger Jahren weg aus Deutschland oder die Flucht von heute nach Deutschland, immer geht es um persönliche Lebensentwürfe und die Versuche, trotz aller Schicksalsschläge und Hindernisse endlich anzukommen.

Mit Hip Hop von den Platinum Playaz wurde das Konzert am Samstagabend eingestimmt. Die junge Formation aus Hanau mit unterschiedlicher ethnischer und sprachlicher Herkunft kreiert zusammen Texte und Beats, die eigene Erlebnisse verarbeiten. Die Ohrbooten, ließen Großstadtsounds aus Berlin erklingen bis nach dem Konzert die Party mit DJ Grr weiter gefeiert wurde.

PRO ASYL - eine Organisation mit Geschichte

  • 1985
    René van Rooyen, UN-Flüchtlingshochkommissar und Dr. Jürgen Micksch (Evangelische Akademie Tutzing) bereiten die Gründung von PRO ASYL vor
  • 1986
    Gründung der Bundesarbeitsgemeinschaft PRO ASYL von Mitarbeitenden aus Flüchtlingsräten, Kirchen, Gewerkschaften, Wohlfahrts- und Menschenrechtsorganisationen zum Schutz verfolgter Menschen am 8. September in Frankfurt am Main.
    Erster bundesweiter »Tag des Flüchtlings«.
  • 1987
    In fast allen Bundesländern gibt es Flüchtlingsräte, die über PRO ASYL miteinander vernetzt sind.
  • 1988
    Gründung des Fördervereins PRO ASYL mit dem Ziel der unabhängigen Finanzierung.
  • 1989-1991
    Die öffentliche Asyldebatte heizt die Stimmung in Deutschland weiter an. PRO ASYL mahnt die politisch Verantwortlichen mehrfach an, rechtsgerichtete und ausländerfeindliche Stimmungsmache zu unterlassen und warnt eindringlich vor den möglichen Folgen.
    Herbert Leuninger, Sprecher von PRO ASYL, erhält 1991 von der Hessischen Landesregierung die Wilhelm-Leuschner Medaille.
  • 1992-1993
    PRO ASYL mobilisiert mit einer großen Kampagne für den Erhalt des Asylrechts nach Artikel 16 Grundgesetz.
  • 1993
    Nach der Grundgesetzänderung am 26. Mai beginnt PRO ASYL mit der Dokumentation von Einzelfällen, der Erstellung von Gutachten und Musterklagen.
  • 1994
    Start der Kampagne »Nein zu Fremdenfeindlichkeit und Rassismus« gemeinsam mit dem DGB und der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. Herbert Leuninger wird erster Europareferent von  PRO ASYL, Heiko Kauffmann übernimmt das Amt des Sprechers.
  • 1995
    Das Flughafenasylverfahren wird zum Brennpunkt exemplarischer Auseinandersetzungen um das neue Asylrecht.
  • 1996-1997
    Das Bundesinnenministerium verzögert die Umsetzung eines Verfassungsgerichtsurteils, nach dem jedem Flüchtling im Flughafenverfahren eine Rechtsberatung zusteht. PRO ASYL finanziert monatelang die anwaltliche Vertretung der Flughafenflüchtlinge, bis der Bund seiner Verpflichtung endlich nachkommt.
    Mit einer Kampagne wendet sich PRO ASYL gegen die skandalöse Ablehnung von Asylanträgen gefolterter Menschen als »offensichtlich unbegründet«.
    Start der großen Kampagne »Verfolgte Frauen schützen« gemeinsam mit dem Deutschen Frauenrat für die Berücksichtigung geschlechtsspezifischer Verfolgung im Asylverfahren.
  • 1998
    PRO ASYL erhält den Bonhoeffer-Preis sowie den Preis der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen zur Überwindung von Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Gewalt.
  • 1999
    PRO ASYL setzt sich für Flüchtlinge aus dem Kosovo und für eine Bleiberechtsregelung bosnischer Kriegsflüchtlinge ein.
    PRO ASYL bringt verstärkt das Thema nichtstaatliche Verfolgung in die Öffentlichkeit und fordert ihre Anerkennung als Asylgrund.
  • 2000
    Ein Erfolg: Die Innenministerkonferenz beschließt eine Altfallregelung für bosnische Kriegsflüchtlinge, allerdings nur für 15.000 traumatisierte. In Kooperation mit anderen Organisationen fordert PRO ASYL die Rückbesinnung auf völkerrechtliche Mindeststandards im deutschen Asylverfahren.
  • 2001
    Start der Kampagne »Alle Kinder haben Rechte« für die uneingeschränkte Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention in Deutschland. Der Deutsche Kinderschutzbund verleiht Heiko Kauffmann und PRO ASYL dafür den »Blauen Elefanten für Kinderrechte«. PRO ASYL und Heiko Kauffmann werden mit dem Aachener Friedenspreis ausgezeichnet.
    Im ersten Entwurf für ein Zuwanderungsgesetz finden geschlechtsspezifische und nichtstaatliche Verfolgung keine Berücksichtigung. PRO ASYL fordert zusammen mit anderen Nichtregierungsorganisationen Verbesserungen und wendet sich unter anderem gegen das Abdrängen von Geduldeten in die Illegalität.
  • 2002
    Das Bundesverfassungsgerichts stoppt die Einführung des Zuwanderungsgesetzes. PRO ASYL startet die Kampagne »Hier geblieben! Recht auf Bleiberecht« für langjährig in Deutschland lebende Flüchtlinge.
    Gründung der STIFTUNG PRO ASYL, um dem Flüchtlingseinsatz auf lange Sicht eine stabile Basis zu geben.
  • 2003
    Krieg im Irak: PRO ASYL bezieht Position gegen den Krieg und macht auf die gleichzeitig dramatisch sinkende Anerkennungsquote bei Flüchtlingen aus dem Irak aufmerksam.
    PRO ASYL begleitet weiterhin juristisch und politisch die Diskussionen zum Zuwanderungsgesetz. Die Bleiberechtsinitiative gewinnt eine breite Basis. Viele prominente Persönlichkeiten unterstützen uns. Über 40 Organisationen und Zehntausende Einzelpersonen unterstützen unseren Appell.
  • 2004
    Die Asylbewerberzahlen sinken auf den niedrigsten Stand seit 20 Jahren. Unter dem Motto »Europa macht dicht« bezieht PRO ASYL Stellung gegen die Pläne, Flüchtlinge außerhalb der EU in Lagern unterzubringen.
  • 2005
    Das neue Zuwanderungsgesetz enthält die lange von PRO ASYL geforderte Anerkennung nichtstaatlicher und geschlechtsspezifischer Verfolgung, aber keine Bleiberechtsregelung. PRO ASYL macht auf die dramatisch ansteigenden, fragwürdigen Widerrufsverfahren gegen anerkannte Flüchtlinge aufmerksam. Gemeinsam mit einem breiten gesellschaftlichen Bündnis kritisiert PRO ASYL in einem Memorandum den Zustand des deutschen Asylverfahrens.
    PRO ASYL startet mit dem GRIPS Theater, der GEW Berlin, dem Flüchtlingsrat Berlin eine gemeinsame Initiative für in Deutschland lebende Flüchtlingskinder: für ein Bleiberecht und die volle Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention.
  • 2006
    Nach einem Jahr Zuwanderungsgesetz zieht PRO ASYL eine kritische Bilanz und fordert eine grundlegende Reform: Die Bleiberechtsforderung bleibt auf der Tagesordnung.
    PRO ASYL startet gemeinsam mit europäischen Menschenrechtsorganisationen ein EU-gefördertes Recherche- und Informationsprojekt zur Flüchtlingsaufnahme in sieben europäischen Ländern.